Cantiones sacrae ist die lang erwartete Nachfolgesammlung der anlässlich des 25-jährigen Bestehens herausgegebenen und von der Kritik gefeierten Magnificat-Einspielung Scattered Ashes. Cantiones sacrae ist ein ungewöhnliches Werk, das sich in Umfang und Stil von den anderen von Schütz veröffentlichten sakralen Musikwerken weitgehend unterscheidet. Die Sammlung umfasst vierzig lateinische Motetten für vier Stimmen und eine Generalbassbegleitung (bei dieser Einspielung durch Laute, Violone und Orgel), die der Komponist erst später hinzufügte. Die perfekt verarbeiteten Werke wurden sachkundig in einem kontrapunktischen Stil komponiert, der reich an Dissonanzen ist und von einer großen Ausdrucksbreite zeugt. Schütz gibt auf geschickte Weise die ungemein intime Natur der Texte wieder, indem er auf eine musikalische Sprache zurückgreift, die sich weniger auf die Wirkung nach außen als auf den Ausdruck im Innern konzentriert. Schütz nimmt jede sich ihm bietende Gelegenheit wahr, um im Sinne der Tonmalerei alle Möglichkeiten des Stimmtimbres und der Gesangstechnik zu nutzen, und dies mit virtuosen Gesangslinien, die von einem konservativen imitativen Stil bis hin zum avantgardistischsten, chromatischen Stil des italienischen Madrigals reichen. Magnificats Darbietung der Opus 4-Motetten zeigt, dass Schütz ein Komponist mit einem Einfallsreichtum ist, der sich durch eine außerordentliche Vielfalt auszeichnet.