Unter den Komponisten, die in der Markuskirche in Venedig die höchsten Ämter innehatten, ist Natale Monferrato (1610-85) heute nahezu vollständig vergessen. Nachdem er mit den führenden Musikern dieser renommierten Institution zusammengearbeitet hatte, folgte er 1676 Francesco Cavalli als Maestro di cappella. Sein Werk, das ausschließlich aus geistlicher Musik besteht, umfasst etwa zwanzig Sammlungen, die zwischen 1647 und 1681 veröffentlicht wurden. Obwohl er viel polyphone Musik schrieb, hinterließ er auch drei Bände mit ‚Mottetti a voce sola‘. In diesen drei Büchern nehmen die Kompositionen für die oft vernachlässigte Altstimme viel Raum ein. Sie sind so umfangreich, dass für diese Aufnahme nur das Libro Terzo von 1666 verwendet wurde. Die Motetten sind in verschiedene, kontrastreiche Abschnitte unterteilt, die vom Wesen des Rezitativs bis zur Arie reichen und sehr unterschiedliche Formen verwenden, die uns an die Modelle der Oper erinnern, wie sie sich ab 1637 in Venedig entwickelt haben. Mit dieser Weltersteinspielung werden die Weichen für die Entdeckung eines unverdient in Vergessenheit geratenen Komponisten gestellt.