Im Jahre 1638 wurde mit Louis-Dieudonné ein Kind geboren, das als Ludwig der XIV., König von Frankreich in die Geschichte eingehen sollte. Sein Vater, Ludwig XIII. instruierte seine Botschafter, dieses Ereignis mit allem Pomp zu feiern. Und so fanden auch in Venedig, das aufgrund seiner wirtschaftlichen Erfolge eine bedeutende Rolle in Europa spielte, ausgedehnte Festivitäten zu Ehren des französischen Thronfolgers statt. Höhepunkt dieser 4-tägigen Feierlichkeiten war die Aufführung der für diesen Anlass von Giovanni Rovetta komponierten Festmesse. Rovetta war zu jener Zeit stellvertretender Maestro di cappella in San Marco, trat 1644 dessen Nachfolge an und wurde einer der führenden venezianischen Musiker. 

Diese Messe, die seit ihrer Premiere nie wieder aufgeführt wurde, hat Benjamin Chénier zum 300. Todestage des Sonnenkönigs 2015 rekonstruiert und dabei ein grandioses Werk wiederentdeckt, das – typisch venezianisch – mit seiner Pracht der „Serenissima Repubblica“ alle Ehre macht. 

Das von Benjamin Chénier gegründete Galilei Consort hat sich besonders auf die historische Aufführungspraxis rekonstruierter Werke aus dem Italien des 17. Jahrhunderts spezialisiert. Diese Praxis als deren Vertreter Vincenzo Galilei (Vater des berühmten Galilei) eine Schlüsselrolle spielte, erwuchs aus dem Humanismus, wobei – angelehnt an die ursprüngliche Auffassung der Griechen – der Text im Vordergrund stand.

„Das Galilei Consort lässt keine Wünsche offen: der deklamatorische Charakter der Motetten für Solostimmen kommt voll zur Geltung, und in den grösser besetzten Werken mischen sich Stimmen und Instrumente perfekt.“
Toccata, März 2017