Hervé Niquet hat zwei wesentliche Charakterzüge: Er ist ein unermüdlicher Archäologe auf der Suche nach vergessener Musik und er liebt Polyphonie und "große Formen". Vor einigen Jahren sorgte er für Aufsehen, als er die monumentale Musik von Striggio ausgrub. Zum 30. Jahrestag seines Ensembles Le Concert Spirituel setzt er sich nun mit einem neuen Höhepunkt der Polyphonie auseinander, einer Messe von Orazio Benevolo (1605-72), die von acht Chören aus vier Sängern und 15 Continuo-Spielern begleitet wird. Im Konzert sind die Chöre um das Kirchenschiff verteilt, das Publikum sitzt in der Mitte.
Benevolo wurde als Sohn eines burgundischen Konditors geboren, der nach Rom ausgewandert war. Er wurde an der Chorschule von San Luigi dei Francesi erzogen und entwickelte sich zu einem der größten Genies der Polychoralität und zu einem produktiven Komponisten, der den Glanz der französischen Kunst in Rom repräsentierte. Er beendete seine Karriere als Maestro di cappella im Vatikan.
Die vorliegende Musik wurde dank der Arbeit des großen Musikwissenschaftlers Jean Lionnet wiederbelebt, der über Jahre hinweg die Musik zahlreicher italienischer Komponisten in den Archiven des Vatikans handschriftlich kopiert hat, von der man keine Dokumente ausleihen konnte. Als Ergebnis seiner Arbeit wurde die Missa 'Si Deus pro nobis' im SACD-Format aufgenommen, um den Zuhörern die volle klangliche Wirkung der vielfachen Chöre zu ermöglichen, die von Gesangs- und Instrumentalstücken Monteverdis, Frescobaldis und Palestrinas begleitet werden.

Diapason Or award GRAMOPHONE Editor's Choice award Le choix de France Musique award Choc Classica award Cle Or ResMusica award

„So (post)modern kann Barockmusik sein!“
Georg Henkel, musikansich.de, 14.06.2018