"Diese Aufnahme von 1998 hat immer noch etwas Besonderes, denn sie war die erste Schallplatte des Ensembles Le Po.me Harmonique, das ich gerade gegründet hatte, und das erste Opus des Alpha-Katalogs. Wenn ein Ensemble zusammenfindet und eine erste Schallplattenaufnahme ansteht, versucht man vor allem sich m.glichst oft zu treffen, damit die Werke reifen. Man ist glücklich, wenn man sieht, wie die Dinge Tag um Tag Gestalt annehmen. Dass diese Aufnahme im Gedächtnis blieb, emblematisch wurde für unser Vorgehen, und dass sie zur Identit.t von Alpha geh.rt, ist eher eine nachtr.gliche Belohnung, ein wohltuender Beweis dafür, dass wir wirklich etwas zu sagen hatten. Was seinerzeit am meisten z.hlte, war der Versuch, diese Musik durch die Erfahrung, die wir erworben hatten, zum Sprechen zu bringen und anderen mitzuteilen. Ich freue mich, dass diese Platte unserem Wunsch weiterhin entspricht, dass sie im Herzen derer bleibt, die uns die Treue halten, obwohl es uns inzwischen zu so vielen anderen Komponisten hingezogen hat. Grunds.tzlich ist unsere Arbeit heute, achtzehn Jahre später, immer noch dieselbe: Sie bestehtdarin, die sogenannten kleinen Repertoires – Belli, Tessier, Hofmusik, oral überlieferte Musik ... – zu entdecken und bekannt zu machen, die im Grunde den Schlüssel für das Verst.ndnis von Stilen liefern, die man bequemerweise auf die Namen von ein paar Werken oder Komponisten reduziert. Lässt sich die venezianische Musik des 17. Jahrhunderts wirklich verstehen, wenn man blo. Vivaldi und Cavalli härt, die Krönung der Poppea und Giasone als einzige Meilensteine, ohne den Rest desWegs zu kennen?

Ich fühle mich weiterhin von Künsten inspiriert, die in der Barockzeit mit der Musik einhergingen. Als wir den Bourgeois gentilhomme und Cadmus et Hermione aufgeführt haben, kam uns die Zusammenarbeit mit Schauspielern, T.nzern und Akrobaten zugute; die Besch.ftigung mit Volksliedern und h.fischen Weisen hatte uns dafür vorbereitet. Wir haben uns auch daran zu erinnern, wie die Werke zur Zeit ihrer Entstehung rezipiert wurden: Es genügt nicht, sie heute zur Geltung zu bringen, es ist notwendig, diesen grundlegenden Dialog zwischen Werk und Publikum zu rekonstruieren. Dann wird es möglich, einige Mechanismen erneut wachzurufen, und das Werk wird zum Zeitgenossen."

- Vincent Dumestre

JOKER CRESCENDO (plus récent) award Choc de l'année Classica 2016 (Label) award