Obwohl Lully nie ein Amt in der „Chapelle du Roi“ innehatte, war sein Einfluss auf die Entwicklung der großen Motette, die so emblematisch für das Grand Siècle ist, von entscheidender Bedeutung. Er schrieb imposante Motetten, um die Herrlichkeit Gottes und des Königs für die großen Zeremonien am Hof zu preisen. Von den vielen königlichen Beerdigungen gehörte die von Königin Marie-Thérèse 1683 zu den eindrucksvollsten. Lullys DIES IRAE und DE PROFUNDIS wurden dort gesungen. Aber die berühmteste Motette war zweifellos sein TE DEUM, das 1677 zum ersten Mal erklang und zum Favoriten des Königs wurde. 1687 dirigierte Lully es noch einmal, schlug sich dabei jedoch mit dem schweren Gehstock, mit dem er den Takt schlug, heftig auf den Fuß. Die Wunde infizierte sich, die Infektion breitete sich allmählich aus, was am 22. März zum Tod führte. Das war das tragische Schicksal des Mannes, der in der Lage war, die strahlendste Herrlichkeit, aber auch die größte Todesangst in gleicher Weise zu vermitteln. Diese theatralische Größe ist charakteristisch für diese Fassung, die in der Chapelle Royale des Château de Versailles aufgenommen wurde. Im Jahr 2019 steht Lully anlässlich des 350. Jahrestages der Académie Royale de Musique (Pariser Opéra), deren Direktor er von 1672 bis zu seinem Tod war, wieder im Rampenlicht.

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