1701, 15 Jahre nach dem Ersten Buch, veröffentlichte Marin Marais sein ‚Deuxième Livre de Pièces de Viole‘. Inzwischen waren seine Lehrer für Komposition, Lully, und für Violine, Sainte-Colombe, gestorben. Marais war also einer der beliebtesten Komponisten der damaligen Zeit, ein Favorit unter den Musikern des ‚Chambre du Roi‘, dem wir zwei ‚tragédies lyriques‘ zu verdanken haben. Obwohl umfangreicher, ist diese zweite Folge immer noch ganz im Sinne des ersten Buches. Dennoch gibt es mehr Charakterstücke, darunter Tribute an seine beiden verstorbenen Mentoren in Form von sehr bewegenden Tombeaux. Wie im ersten Buch gibt es auch hier eine große Anzahl von Variationen, die hier imposanter, länger und virtuoser sind als beim Vorgänger. Ihr Thema sind ‚Les Folies d'Espagne (La Folia)‘, von denen Corelli im Jahr zuvor eine Version für Violine veröffentlicht hatte. Hatte Marais Corellis Musik gehört, die in Pariser Kreisen unter italienischem Einfluss sehr beliebt war, und wollte er daher beweisen, dass die Gambe auch auf diesem Gebiet glänzen könnte?