Chiaro e scuro: hell und dunkel – ein Gestaltungsmittel in der Kunst der Spätrenaissance und des Barock um mit Kontrasten den Ausdruck zu steigern. Wie so oft in der Geschichte, hat die Musik ebensolche Effekte der Malerei für die Musik adaptiert. Diese Gegenüberstellung wirft viele Fragen auf. Stehen sich die Werke auf dieser CD wie hell und dunkel gegenüber? Sind die Werke selbst von chiaro e suro geprägt?

Der Hinweis, dass Haydn vermutlich Werke Scarlattis gekannt haben wird, und, dass Cavé den Wunsch hatte diese beiden Komponisten zu verbinden, die in ihren Klavierwerken die gleiche charakteristische Sprache zu sprechen scheinen, erklärt, warum diese CD Chiaro e scuro heißt: Die Konfrontation der beiden Komponisten steigert den Ausdruck der jeweiligen Werke, sie unterstreichen ihre Musikalität gegenseitig.

Haydn und Scarlatti hatten auf musikalischer Ebene den gleichen Humor. Ihre Sprache ist scherzhaft, verspielt, unterhaltend, virtuos, detailreich und natürlich zu gleich. Sie geben ihrer Musik eine zeitlose lyrische Tiefe über die Epochen hinweg. Auf dieser CD zeigt Cavé (AECD0874 Scarlatti: Naples, 1685), der sich auch mit musikwissenschaftlichem Hintergrund auf diese Aufnahme vorbereitet hat, in welchem Grad sich Scarlattis Musik auf die Kompositionen Haydns ausgewirkt hat – eine unbestreitbare Offenbarung, die sich jedem Hörer sofort aufdrängt.

„Mit einem originellen Ansatz auf dieser CD weist der schweizerische Pianist Olivier Cavé auf klaviermusikalische Parallelen zwischen Domenico Scarlatti und dem fast 50 Jahre später geborenen Joseph Haydn hin. Aus je fünf Sonaten und anderen Werken hat er ein homogenes Repertoire geformt. Haydns frühe Musik erscheint in einer ausdrucksstarken Interpretation mit Sinn für Lyrik; hier wie auch bei Scarlattis Sonaten zeigt Cavé die Kunst eines leichten Anschlags, der dennoch die den Stücken innewohnende Energie betont. Dazu passen die gelungene Wahl des Klaviers und die warm klingende Aufnahme.“ (MDR Figaro)

5 Diapason award