Die beeindruckende Ersteinspielung des Odyssean Ensemble bearbeitet den Great Service (Großer Gottesdienst) von William Byrd, ein eher unbeachtet gebliebener Geniestreich, der mit einigen zeitgenössischen Hymnen gespickt ist. Einzigartig hierbei ist, dass das Odyssean Ensemble dieses Werk auf eine innovative Weise vorträgt, die dem Byrd-Experten Andrew Johnstone verdanken ist. Dabei bringt Johnstone auch faszinierende Booklet-Texte mit ein. Dirigent Colm Carey, der seine Unterstützung in einer umgebauten Tudor-Orgel von Goetze & Gwynn findet (die Orgel von St. Teilo, meisterhaft gespielt von Christian Wilson), führt die Zuhörer in Byrds reiche und bunte Klangwelt. Die Musik des Great Service ist in ihren Proportionen unvergleichlich und von einer unerschöpflichen Vielfalt. Byrd bietet den Text bei jeder Gelegenheit so lebhaft dar, dass die Phantasie des Zuhörers angeregt wird. Der Great Service macht sich die Cantica zu eigen, die während des Morgen- und Abendgebets gesungen werden, welche ein wichtiger Bestandteil des Book of Common Prayer (Buch des gemeinsamen Gebetes) sind, das in seiner ersten Ausgabe 1549 erschien und für das Thomas Cranmer verantwortlich zeichnete. Mit dieser Einspielung führt das Odyssean Ensemble seine Erkundung der englischen Musik aus dem 16. Jahrhundert, das vielleicht als eines der goldenen Zeitalter der Musikkompositionen angesehen werden kann, fort.