Der Sänger, dem Händel seine Rollen des Rinaldo und Amadigi auf dem Leib schrieb, war Nicolò Grimaldi (1673 – 1732). Bekannt wurde Grimaldi, der unter seinem Künstlernamen Nicolini als erster Kastrat auf einer Londoner Bühne auftrat, nicht nur als ein herausragender Sänger, sondern auch durch seine außergewöhnlichen schauspielerischen Fähigkeiten. Bereits eine Generation vor Carlo Broschi (Farinelli), Gaetano Majorano (Caffarelli) oder Giovanni Carestini trug Nicolini mit einer ungewöhnlichen stimmlichen Agilität und Virtuosität maßgeblich zur Entwicklung des Kastraten-Nimbus bei.
In dieser Anthologie fasst der junge italienische Countertenor Carlo Vistoli die Sternstunden Nicolinis zusammen und gibt dem Hörer eine perfekte Vorstellung der Schlüsselmomente von dessen Karriere. Händel darf in dieser Zusammenstellung natürlich nicht fehlen, doch mit Arien aus Pergolesis Oper „Salustia“, die Nicolino in Neapel gesungen hätte, wenn er nicht krank geworden und kurz darauf gestorben wäre, spannt Vistoli den Programmbogen bis in das Grab von Grimaldi.

Vistoli wird begleitet von den TALENTI VULCANICI (dem neu gegründeten festen Ensemble des Centro di Musica Antica – Fondazione Pietà  dei Turchini di Napoli), unter der Leitung von Stefano Demicheli. Dieses Album bildet gleichsam den Auftakt zu einer neuen Serie, die sich in Zusammenarbeit mit der Neapolitan Foundation der Musik aus Neapel widmet.